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Fotografien aus vier Jahrzehnten -
Gabriele Senft:
„Anlass dieser Ausstellung war mein
60. Geburtstag im Juli 2009.
Ich möchte den Betrachter mitnehmen auf
eine Zeitreise durch
4
Jahrzehnte, beginnend im Jahr 1970 in der DDR
bis zum heutigen Leben in einem Land, in dem ich meine
Fototätigkeit weiterhin einsetzen möchte für alle die, die ihre
Hoffnung auf eine
Welt mit sozialer Gerechtigkeit und ohne Kriege nicht aufgegeben
haben.“
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Pressebericht:
Märkische Allgemeine Zeitung 11.11.2009
FOTOGRAFIE: Bilder mit klarem Bekenntnis
Gabriele Senft hat ihren Blickwinkel zuweilen
geändert, ihre Überzeugung nicht
von René GaffronBELZIG - Zum 60. Geburtstag ist Gabriele Senft in
ihre Heimatstadt zurückgekehrt. In der Backsteinvilla an der
Berliner Straße der Kur- und Kreisstadt, die heute das
Jugendfreizeitzentrum Pogo beherbergt, hatte sie einst das Licht der
Welt erblickt. Jetzt zeigt die Fotojournalistin dort die Bilder ihres
Lebens. „Jahrgang ’49“, lautet der Titel der Ausstellung, die
bereits in Berlin-Lichtenberg ihr Publikum gefunden hat, fast ein
wenig schlicht.
Die Aufnahmen aus 40-jähriger Berufstätigkeit – je 20 vor und
nach der politischen Wende – haben durchweg Anziehungskraft. „Wer
von Gabriele Senft porträtiert worden ist, dem hat sie wirklich in
die Augen geschaut“, zitiert Hans Hübner, politischer Autor aus
Berlin und ebenso mit Wurzeln in Belzig, ein Erfolgsrezept seiner
Mitstreiterin, die einst von Horst Sturm geschult worden war.
Es sind zunächst vor allem Künstler wie Mikis Theodorakis, Ruth
Werner oder Gerhard Gundermann; Anlässe wie der Weltfriedenstag oder
die Weltfestspiele der Jugend, die von der Angestellten des
Bildressorts beim staatlichen Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst
(ADN) dokumentiert werden. Die Arbeiten passen in das Gesamtbild, das
von der Eigendarstellung der ehemaligen Republik in Erinnerung
geblieben ist. „Die kritische Sichtweise fehlte mir erst einmal“,
räumt die Fotografin ein. Sie ließ sich überreden, wegzulassen,
wenn ein Motiv hätte Ärger bringen können. Erst beim Niedergang
der DDR, die Konfrontation vor Augen, habe sich ihr Blickwinkel
geändert.
Den eigenen Grundüberzeugungen für Frieden und Gerechtigkeit ist
sie allerdings treu geblieben, hat unter diesen Prämissen ihre
Expositionen und Bücher von Brennpunkten in aller Welt
zusammengestellt. Lediglich kleinere, linke Verlage drucken
heutzutage gelegentlich, was Gabriele Senft von einem klaren
Standpunkt aus mit der Kamera festhält. Die Konsequenz, damit trotz
anspruchsvoller Bilder nur wenig Geld zu verdienen, trägt sie
ausdrücklich mit Stolz.
Neben der berührenden Darstellung individueller Schicksale bemüht
sie Demonstrationslosungen wie „Wurde diese Grenze aufgehoben,
damit wir zusammen gegen andere Völker in den Krieg ziehen?“ (am
Brandenburger Tor in Berlin) oder „Merkt Euch für die nächste
Wahl, Kapital ist nie sozial!“. Stimmt der Betrachter damit nicht
überein, fühlt er sich zumindest herausgefordert. Das rustikale
Ambiente unter dem Dach des einstigen Gutshauses dürfte dem Anliegen
dienlich sein und den Blick auf das Wesentliche schärfen. Die
Präsenz ausgerechnet im Jugendtreff, dessen Entwicklung sie ab Mitte
der 90er-Jahre immer wieder verfolgt hat, empfindet Gabriele Senft
jedenfalls als großes Glück.
Selbst schließt sich für die Heimkehrerin persönlich der Kreis,
wie viele herzliche Begegnungen zur Eröffnung am vergangenen
Wochenende gezeigt haben. Schließlich erinnert sie sich an
unbeschwerte Ferientage bei den Großeltern – noch fern vom Ernst
des Lebens. „Das heißt nicht, dass ich mit meiner Arbeit
abgeschlossen habe, sondern ich mache weiter“, sagt Gabriele Senft.
Fotoausstellung „Jahrgang ’49“ von Gabriele Senft täglich
(bis Weihnachten) von 12 bis 20 Uhr im Jugendfreizeitzentrum Pogo,
Belzig, Berliner Straße 4, (03 38 41) 3 0107 (Schulklassen bitte
anmelden!).
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Pressebericht:
Neues Deutschland (ND) 17.07.2009
"Augenblicke
aus vier Jahrzehnten"
Ausstellung
einer engagierten Fotojournalistin »Jahrgang 49« in der
GBM-Galerie
von Uta Herrmann
»Jahrgang
49« heißt die aktuelle Ausstellung der Fotojournalistin Gabriele Senft,
die in der Galerie der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und
Menschenwürde (GBM) in Berlin-Lichtenberg zu sehen ist. Der Titel ruft
vielfältige Assoziationen hervor – sei es zu Liedern der gleichnamigen
DDR-Liedergruppe oder zu einem Land, das abgeschafft wurde. Die sind
beabsichtigt, denn es ist auch ihr Jahrgang. »Dennoch ist dies keine
Ausstellung über meine Person, sondern über 40 Berufsjahre, 20 davon in
der DDR, die mich sehr geprägt haben«, erklärt die Fotografin. Im Land
Brandenburg, in Belzig, geboren und in Luckau das Abitur abgelegt, hat
sie ihre Wurzeln in der DDR.
Fotografin
wie auch Betrachter der 65 Tafeln mit zirka 85
überwiegend Schwarzweiß-Abbildungen sind gleichermaßen Zeitzeugen.
Eigene Geschichten und Erinnerungen werden wach, wenn man zum Beispiel
vor dem Bild aus dem Jahre 1987 mit Mikis Theodorakis auf dem
Rosa-Luxemburg-Platz steht. Hier gehörte man zu den »begeisterten Fans«
wie sie die Aufnahme nannte. Oder das Konzert von Mercedes Sosa im
Palast der Republik, 1973 die Weltfestspiele und viele mehr. Der
Besucher fühlt sich mit der Fotografin verbunden, war man doch zur
gleichen Zeit am selben Ort. Das wird er auch vor anderen Aufnahmen aus
den vergangenen 20 Jahren feststellen.
Die
engagierte Journalistin ist mit ihrer Kamera immer dort
anzutreffen, wo Menschen gegen den Krieg und für Frieden demonstrieren,
dort wo sie soziale Gerechtigkeit fordern, wo sie gemeinsam mit Angela
Davis Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts gedenken oder bei Konzerten
mit kubanischen Künstlern. »Einige kenne ich noch, als ich beim
Festival des politischen Liedes fotografierte. Diese Wochen im Februar
zählen zu meinen schönsten Erinnerungen aus der DDR-Zeit.«
Bis
1990 war Gabriele Senft
bei der
staatlichen Nachrichtenagentur ADN-Zentralbild beschäftigt und hat
vorrangig auf dem Gebiet der Kultur fotografiert. Nicht ganz freiwillig
hat sie ihre Arbeit dort beendet. »Ich ging aber auch nicht ungern,
weil sich der ADN doch sehr verändert hatte«. Zunächst als
Fotoreporterin bei der »Jungen Welt« angestellt, ist die in Berlin
lebende Fotografin seit 1993 freischaffend für sozial engagierte
Medien, darunter auch das ND, tätig und zeigt ihre Aufnahmen immer
wieder in thematischen Ausstellungen. Ihre Stärke ist es, sich für die
Schwachen der Gesellschaft einzusetzen. Mit ihren festgehaltenen
Momenten möchte sie vermittelnd wirken und linke soziale Bewegungen
stärken. Dabei ist sie häufig mehr als nur Fotodokumentaristin. So fuhr
sie auch als Mutter zweier Söhne mit dem Friedenskonvoi der »Mütter
gegen den Krieg« nach Belgrad. In ihrem Buch »Die Brücke von Varvarin«
zeigt sie die NATO-Kriegsverbrechen und setzt sich für eine
Entschädigung der Betroffenen ein. Sie ist Ehrenmitglied im
Berufsverband der Arbeiterfotografie e.V., sowie in der Arbeitsgruppe
Solidarität bei der GBM aktiv und bei EcoMujer, einer Vereinigung
von deutschen und kubanischen Frauen.
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